Wien: Patienten können mit Gedanken ihre Handprothesen steuern

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In Wien bekamen drei Männer Handprothesen anoperiert. In der Zwischenzeit können sie wieder alltägliche Dinge wie Hemd zuknöpfen oder eine Tasse greifen ohne Problem erledigen. Allerdings waren Experten vor zu großen Hoffnungen in diese Operation.

Allein mit der Kraft ihrer Gedanken können drei in dem Land Österreich operierte Menschen selbst nach einer schweren Nervenverletzung ihre Handprothesen gut bewegen.

Muskel aus Oberschenkel dient als Signalverstärker

Bei den drei männlichen Patienten sei eine sogenannte bionische Rekonstruktion durchgeführt worden, schreibt das Team der Medizinischen Universität Wien im dem Fachmagazin „The Lancet“. Durch Motorrad- und Kletterunfälle war bei den drei Patienten das Armnervengeflecht zerstört worden, das in erster Linie die Hand steuert, so die Mediziner weiter.

Bei der bionischen Rekonstruktion wurde ein Muskel aus dem Oberschenkel der Patienten als Signalverstärker für die vorhandenen Nerven in den Unterarm transplantiert. Da die männlichen Patienten schon seit mehreren Jahren ihre Hände nicht mehr nutzen konnten, mussten sie ihr Gehirn für diese Art neuronaler Signale wieder neu trainieren.

Sehr schwierige Eingriff

Dann wurde den Patienten die funktionslosen Hände amputiert und durch die besagten Prothesen ersetzt. Auf den bei anderen Methoden üblichen Einsatz von Elektroden zur Steuerung der Prothesen verzichten die Mediziner bei dieser Operation, wie es in dem aktuellen Bericht weiter heißt.

In erster Linie sei bei dem schwierigen neuromuskulären Eingriff „eine interaktive Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine“ so einer der Mediziner in einer Stellungnahme, nach gelungener Operation. In der Zwischenzeit können die drei männlichen Patienten alltägliche Dinge wie das Zuknöpfen von Hemden oder das Einschenken einer Tasse wieder selbst ohne Probleme erledigen.

Erstmals wurde das Verfahren 2009 angewandt

Die drei Patienten könnten nicht nur weitgehend in den Alltag ohne fremde Hilfe zurückkehren, sondern hätten nur noch in den seltensten Fällen Schmerzen, so die Wissenschaftler. „Die betroffenen Patienten verspüren oft starke Phantomschmerzen. Diese verschwinden durch die bionische Rekonstruktion, da das Phantom durch die wieder gewonnene Funktionalität der Hand ersetzt wird“, so die Mediziner in ihrem Bericht.

Zum ersten Mal angewandt wurde dieses Konzept der bionischen Rekonstruktion von den Wienern Ärzten im Jahr 2009. Die Medizinische Universität der österreichischen Stadt Wien gilt als weltweit einziger Ort, an dem diese Technik bis heute angewandt wird.

Experten warnen vor zu großen Erwartungen

Die britischen Transplantations-Experten Prof. Simon Kay und Daniel Wilks aus Leeds warnten allerdings in einem Kommentar vor zu großen Hoffnungen in diese Operation. „Die aktuellen Ergebnisse sind ermutigend“, schrieben die beiden Experten in einem Kommentar.

Das angewandte Wiener Verfahren sei ein zusätzlicher Ansatz, Nervenreize und Prothesen zueinanderzubringen. Allerdings müsse die langfristige Bilanz für eine Einschätzung abgewartet werden. Dazu zähle natürlich auch, wie oft und unter welchen Umständen die Patienten ihre Prothese nutzten, so die beiden Experten zum Abschluss.

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