Studie: Spätes Einschulen wirkt sich negativ auf Lernleistung aus

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In Deutschland können Eltern ihre Kinder ein Jahr später einschulen lassen. Einer aktuellen Studie zufolge ist dies aber konterproduktiv. Denn das verspätete Einschulen wirkt sich negativ auf die Schulleistungen des Kindes aus.

Das Zurückstellen von der Einschulung kann sich einer aktuellen Untersuchung zufolge negativ auf spätere Schulleistungen auswirken. „Kinder brauchen so schnell wie möglich eine Förderung“, erklärt die Entwicklungspsychologin Julia Jäkel von der Ruhr-Universität in der deutschen Stadt Bochum in einem aktuellen Interview.

Die Wissenschaftlerin hatte mit Kollegen der University of Warwick Daten von mindesetns 1000 Kindern einer Untersuchung aus Bayern ausgewertet. Kinder, die bei den verpflichtenden Einschulungsuntersuchungen schlecht abschneiden, dürften in vielen Fällen erst ein Jahr später mit der Schule anfangen, berichten die deutschen Wissenschaftler in ihrer Studie.

Altersgemäß Eingeschulte schnitten besser ab

Die deutsche Untersuchung lege allerdings auch nahe, dass aus dieser Entscheidung meistens keine besseren Schulleistungen resultieren. Die Wissenschaftler verglichen die Leistungen von verspätet und altersgemäß eingeschulten Kindern im Alter von genau acht Jahren.

Dabei schnitten die altersgemäß eingeschulten Kinder im Durchschnitt deutlich besser ab, als die Kinder die ein Jahr später eingeschult worden. Die normal eingeschulten Kinder hatten zwar ein Schuljahr Vorsprung, die ein Jahr später eingeschulten Kinder würden dieses Defizit aber im Durchschnitt auch nicht wieder wettmachen, wenn ein Jahr später gemessen würde, betont die Expertin.

Studie zu eng angelegt

„Wir brauchen nun mehr Untersuchungen, die die Langzeiteffekte der verspäteten Einschulung untersuchen. Die aktuellen Ergebnisse sollten Eltern und Lehrern aber zu denken geben“, heißt es in dem Studienbericht weiter. In vielen Fällen seien es Eltern noch relativ junger Kinder, die am liebsten später einschulen lassen wollten. Das betrifft ganz besonders frühgeborene Kinder, die noch nicht so robust erscheinen würden, so die Wissenschaftler.

Der Düsseldorfer Bildungsforscher Prof. Heiner Barz hält die aktuelle Untersuchung indes für zu eng angelegt. Tests mit objektiven Daten seien für Kinder im Alter von acht Jahren auch noch zu früh. Es hätten auch soziale und emotionale Komponenten erfragt werden müssen, betont der Experte in einem Interview mit der dpa.

Einschulalter variiert zwischen den Bundesländern

„Fühlen sich die Kinder in der Schule wohl? Üben die Eltern Druck aus? Vielleicht ist es für die Kinder auch noch wichtig, ein Jahr spielen zu können“, erklärte der Experte in dem aktuellen Interview weiter.

Das Einschulalter variiert in Deutschland zudem auch von Bundesland zu Bundesland. So liegt das Einschulalter je nach Bundesland zwischen fünf und sieben Jahren. Im Regelfall muss ein Kind, dass bis zu einem besonderen Stichtag (je nach Bundesland unterschiedlich) eines Kalenderjahres das sechste Lebensjahr vollendet hat, zum nächstmöglichen Datum zur Schule gehen, es steht dann unter Schulpflicht.

Frühe Einschulung soll Lernfähigkeit verbessern

Allerdings kann eine frühere Einschulung beantragen, wenn das Kind bei der Schuleingangsuntersuchung als schulfähig eingestuft wurde. Eltern können zudem auch eine spätere Einschulung beantragen. Im Zuge der Pisa- Studie gab es Überlegungen das Einschulalter auf fünf Jahre herabzusetzen, was in einigen Bundesländern auch schon geschehen ist.

Dadurch soll die Leistungsfähigkeit und die Reife des Kindes verbessert werden. In den Bundesländern Baden- Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Niedersachsen- Nordrhein- Westphalen und Rheinland- Pfalz können die Kinder bereits mit fünf Jahren eingeschult werden. In allen anderen Bundesländern frühestens mit sechs Jahren.

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Frank Müller

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