Grippesaison 2015: Bereits 1,5 Millionen Menschen waren beim Arzt

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Bereits mehr als 1,5 Millionen Menschen waren in dieser Grippesaison wegen Grippe oder Atemwegsbeschwerden beim Arzt. Die Zahl der Grippeerkrankten ist in dieser Saison recht hoch, weil der Impfstoff nicht richtig wirkt. Experten raten aber dennoch zu einer Impfung.

Die Grippe hat Deutschland weiterhin fest im Würgegriff. „Stark erhöhte Influenzaaktivität“ meldet die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) deutschlandweit schon seit 14 Tagen, aber zuletzt schnellten die Zahlen bestätigter Grippefälle rasant nach oben.

18.000 Infizierte

In dieser Grippe- Saison waren es schon mehr als 18.000 Infizierte, mehr als ein Drittel davon (6251) allein in der 7. Kalenderwoche. Nicht eingerechnet ist dabei die immense Dunkelziffer der nicht im Labor bestätigten Fälle.

„Wie hoch diese Dunkelziffer genau ist, wissen wir nicht. Aber es gibt eine erhebliche Untererfassung“, erklärte einer Sprecherin des Berliner Robert Koch-Instituts in dieser Woche.
Aus den Arztpraxen werden laut AGI folgende Zahlen vermeldet: Hochgerechnet ungefähr 1,5 Millionen Menschen gingen hierzulande allein in der letzten Woche mit Grippe oder anderen Atemwegserkrankungen zu einem Mediziner. Viele Arbeitgeber stöhnen schon jetzt über hohe Krankenstände.

Einige Straßenbahnen in Karlsruhe fahren nicht mehr

Der Süden soll dabei besonders stark betroffen sein- und Auswirkungen bekommen auch diejenigen zu spüren, die bis jetzt noch nicht an Grippe erkrankt sind. Im Raum Karlsruhe zum Beispiel werden die Stadtbahnführer knapp und so können nicht mehr alle Bahnen fahren. Nach einem aktuellen Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ übernimmt sogar der Stadtbahn- Chef selbst einige Schichten.

Auch in einzelnen Kliniken Südbadens herrscht in der Zwischenzeit Notstand beim Personal. Teilweise ist bereits jeder zehnte Mitarbeiter krank, vielerorts sind Kapazitätsgrenzen erreicht oder gar schon überschritten. „Wir lehnen niemanden ab“, erklärte ein Sprecher des Uniklinikums Freiburg zu Beginn dieser Woche. Aber viele planbare Eingriffe und Operationen mussten verschoben werden.

Höhepunkt steht noch bevor

Ein Ende der Grippewelle ist noch nicht abzusehen: Experten des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig schätzen, dass der Höhepunkt erst in den kommenden drei Wochen erreicht wird.

„In den USA ist die Grippewelle bereits vorbei und das dort kursierende Virus scheint stärkere Symptome zu verursachen als in vorangegangenen Epidemien“, erklärt auch Prof. Klaus Schughart vom Braunschweiger Zentrum. „In Deutschland steht der Gipfel noch bevor. Wir müssen aber mit einem ähnlichen Verlauf rechnen“, so der Experte weiter.

H3N2- Virus hat sich stark verändert

Nach einer schwachen Grippesaison im letzten Jahr, rollt nun also wieder eine stärkere Welle durch Deutschland. Grund dafür ist in erster Linie, dass der in diesem Jahr eingesetzte Grippeimpfstoff nicht richtig wirkt.

Laut dem Berliner Robert- Koch- Institut hat sich der besonders verbreitete Influenza A H3N2-Subtyp stark verändert, dass der Impfstoff, dessen Zusammensetzung die WHO bereits im Frühjahr des letzten Jahres festgelegt hatte, nicht mehr passt. Grund: Das im Vakzin enthaltene Eiweiß stimmt nun nicht mehr mit dem Oberflächeneiweiß des Erregers überein, so ein Sprecher in Berlin.

Teilweiser Schutz ist besser als gar kein Schutz

Die Weltgesundheitsorganisation WHO bezieht sich bei ihrer Vorhersage auf Daten aus über 100 nationalen Referenzlaboren. „Trotz aller Bemühungen bleibt es schwer, die genauen Influenza Subtypen, gegen die der Impfstoff wirken muss, so weit im Voraus schon zu bestimmen“, erklärt Prof. Carlos Guzman vom Braunschweiger Zentrum.

Hier müsse aus diesem Grund weiter an besseren Vorhersagemethoden gearbeitet werden. Eine Impfung sei aber trotzdem empfehlenswert, betonen die Experten. „Teilweiser Schutz ist besser als gar keiner“, so der Experte Guzman weiter. Und gegen die gleichfalls kursierenden H1N1- und Influenza B-Viren sei eine gute Schutzwirkung gegeben, heißt es zum Abschluss.

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Ronny Richert

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