Dysmorphophobie: Eingebildete Hässlichkeit ist auch in Deutschland eine weitverbreitete Krankheit

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Jeder Mensch betrachtet sich gern mal im Spiegel und findet die eine oder andere Sache die ihm nicht am ihm gefällt, doch wird dies krankhaft, nennt man das Dysmorphophobie. Dabei denken Menschen, sie wären äußerlich entstellt. In den meisten Fällen beginnt die Krankheit in der Pubertät und wird nur in den seltensten Fällen rechtzeitig erkannt.

Menschen leiden mitunter unter sehr rätselhaften Störungen: Dysmorphophobie ist eine dieser Störungen. Gut 500.000 Menschen leiden allein in Deutschland unter dieser Störung. Die Betroffenen sind bei dieser Krankheit der Überzeugung, dass sie äußerlich hässlich sind.

Auch wenn viele noch nie etwas von dieser Störung gehört haben, ist sie doch sehr verbreitet in Deutschland. Besonders stark hat die Störung Dysmorphophobie bei Jugendlichen in den letzten Jahren zugenommen, wie Experten immer wieder betonen. Dabei können die Betroffenen nur vor ihren eigenen Augen nicht bestehen.

Betroffene oft attraktiv

Sie fühlen sich extrem hässlich und sind nicht selten davon überzeugt, dass ihre Nase, ihr Körperbau und ihre Haut entstellt sind. Je mehr sich diese Menschen mit ihrem Aussehen beschäftigen, desto mehr richtet sich der Blick gegen den angeblichen Schönheitsmakel und umso mehr verfestigt sich der Eindruck der eigenen Unattraktivität.

Die meisten betroffenen sind allerdings oft sehr attraktiv. Ihre Selbsteinschätzung weicht dabei stark von ihrem eigentlichen Aussehen ab. Menschen mit dieser Störung sind zudem überdurchschnittlich sensibel für ästhetische Proportionen und schon minimale Abweichungen bringen sie aus dem Gleichgewicht.

Schönheitsideal wird nie erreicht

Aber da sich fast jeder hin und wieder die Frage stellt, ob er schön ist, wird die Erkrankung in den meisten Fällen erst sehr spät erkannt. Selbst in Fachkreisen ist die Dysmorphophobie nur wenig bekannt. Zudem denken Betroffene nicht, dass sie krank wären, sondern sind davon überzeugt, dass sie einen körperlichen Makel haben.

Dieser zwing sie immer wieder vor den Spiegel. Manche gehen zum Hautarzt oder gar zum plastischen Chirurgen um ihren Schönheitsideal näher zu kommen. Allerdings bleibt das Schönheitsideal durch die verzehrte Körperwahrnehmung unerreichbar. Zum ersten Mal tritt diese Störung in den meisten Fällen in der Pubertät auf.

Erkrankte ziehen sich immer weiter zurück

In dieser Zeit macht der Körper die meisten Entwicklungsaufgaben durch. Sich um sein Aussehen zu kümmern, wird zur Lösungsstrategie gegen die eigene Unsicherheit. Wenn sich ein Mensch länger als eine Stunde pro Tag in einem Spiegel, einer Fensterscheibe oder in einem Handydisplay beobachtet und sein Äußeres begutachtet, sollte man wachsam werden.

Ein zweites Warnsignal: Betroffene ziehen sich immer weiter zurück. Sie treffen keine Freunde mehr oder schaffen es nicht mehr in die Schule oder zur Arbeit. Denn sie haben Angst dort wegen ihres angeblichen Schönheitsmakels aufzufallen. Auslöser für die Dysmorphophobie können Mobbing oder auch Hänselleien sein.

Erkrankte können oft keine Konflikte lösen

Aber auch in den Medien verbreitete Schönheitsideale können eine große Rolle spielen. Meistens sind dort die Schönen auch sehr erfolgreich. Doch diese Erkrankung gibt es nicht erst seit wenigen Jahren, auch vor 100 Jahren wurde die Erkrankung unter dem Begriff „Entstellungsangst“ behandelt. Oft liegen die Ursachen für diese Störung in der Kindheit.

Ein übermäßig behütetes Elternhaus kann hier eine große Rolle spielen. Aber auch kritisiert und zurückgewiesen zu werden, können dazu führen, dass man an dieser Störung erkrankt. In vielen Fällen fehlt es den Betroffenen an Selbstwertgefühl und an der Fähigkeit, Konflikte auszuhalten oder gar sie zu lösen.

Nur sehr wenige Selbsthilfegruppen

In entsprechenden Therapien sollen solche Kompetenzen angelernt werden. Im Rahmen der Therapie gehen die Betroffenen auch mit einem Fragekatalog über ihr Aussehen zu anderen Menschen um herauszufinden, wie sie tatsächlich auf andere Menschen wirken. Bei einigen Betroffenen helfen auch Antidepressiva.

Experten zufolge ist aber eine Psychotherapie der langfristig wirksamste Ansatz um sich irgendwann wieder wohlwollend in einem Spiegel betrachten zu können. Selbsthilfegruppen gibt es zu diesem Thema wenige. Doch einige betroffene Eltern schließen sich Gruppen von Eltern an, bei denen die Kinder unter Essstörungen leiden, denn beide Erkrankungen sind oft eng miteinander verknüpft.

Über den Autor

Ronny Richert

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