Digitalis Herz-Medikamente erhöhen Sterblichkeit Digitalis Herz-Medikamente erhöhen Sterblichkeit
Digitalis war sehr lange Zeit der Wirkstoff Nummer eins wenn es um Herzkrankheiten geht. Nun haben deutsche Wissenschaftler 19 Studien ausgewertet und sind zu... Digitalis Herz-Medikamente erhöhen Sterblichkeit

Digitalis war sehr lange Zeit der Wirkstoff Nummer eins wenn es um Herzkrankheiten geht. Nun haben deutsche Wissenschaftler 19 Studien ausgewertet und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass Digitalis die Sterblichkeit bei Herzpatienten um durchschnittlich 21 Prozent erhöht. Die Autoren empfehlen aber Patienten das Medikament nicht eigenständig abzusetzen.

Menschen die Herzkrank sind müssen oft Medikamente gegen ihr Leiden nehmen, in der Hoffnung länger zu leben. Doch gerade ein Wirkstoff aus diesen Medikamenten steht nun im Verdacht die Sterblichkeit zu erhöhen, zumindest kommt eine Studie zu diesem Ergebnis. Genau gesagt handelt es sich um den Wirkstoff Digitalis, der aus der Fingerhutpflanze gewonnen wird.

Dabei gehören Medikamente mit dem Fingerhut- Wirkstoff zu den ältesten Herzmedikamenten überhaupt. Eine Studie legt nun den Verdacht nahe, dass Medikamente mit Digitalis die Sterblichkeit von Patienten mit Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz in Vergleich zu anderen Herzmedikamenten erhöhen.

326.000 Probanden untersucht

Die Frankfurter Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, in dem sie 19 Studien aus den Jahren 1993 bis 2014 auswerteten. An diesen Studien nahmen mehr als 326.000 Probanden teil, die wegen Vorhofflimmern oder Herzinsuffizienz behandelt worden. Bei den Testpersonen die Digitalis nahmen, lag die Sterblichkeit um 21 Prozent höher als bei Patienten die andere Medikamente bekamen.

Bei Vorhofflimmern war die Sterblichkeit um 29 Prozent erhöht und bei Herzinsuffizienz um 14 Prozent erhöht. Die bis heute größte Studie zeigt somit, dass eine erhöhte Sterblichkeit bei der Einnahme von Digitalis vorliegt. Außerdem kann es auch zu Wechselwirkungen kommen wenn Digitalis mit weiteren Medikamenten verabreicht wird.

Sieben Medikamente die Digitalis zugelassen

Bemängelt haben die Wissenschaftler in ihrem Bericht zudem, dass die Empfehlung für Digitalis auf die unbefriedigende derzeitige Datenlage zurückgehe. Bis weitere aussagekräftige Studien vorliegen, sollte Digitalis mit großer Zurückhaltung angewandt werden, empfehlen die Wissenschaftler in ihrem Bericht weiter.

Hierzulande sind den aktuellen Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte sechs Arzneimittel zugelassen, die den Wirkstoff Digoxin beinhalten. Hinzu kommt ein weiteres Präparat, dass die Variante Digitoxin enthält. Alle samt sind Digitalis- Derivate. Die Europäische Arzneimittelbehörde prüft im Moment die Risiken.

20 Verdachtsfälle seit 1978

Sobald Ergebnisse aus dem aus dem Risikobewertungsverfahren vorliegen, wird man über mögliche Sicherheitsmaßnahmen entscheiden, erklärte ein Sprecher. Eine Wechselwirkung zwischen Digoxin und dem Herzmedikament Dronedaron ist aber schon seit einiger Zeit bekannt. Auf die Gefahr wurde auch schon in der Fachliteratur hingewiesen.

Dem BfArM wurden seit dem Jahr 1978 insgesamt 20 Verdachtsfälle zu der Wechselwirkung gemeldet, darunter eine Todesfall. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie empfehlen aber Patienten die derzeitig Digitalis- Medikamente nehmen, diese nicht eigenständig abzusetzen. Patienten sollen ihren Arzt informieren und mit ihm zusammen entscheiden, ob es sinnvoll ist, die Medikamente weiter zu nehmen.

Digitalis heute nicht mehr zu empfehlen

Denn es gibt auch Alternativen zu Digitalis- Medikamenten. Die Autoren der Studie betonen zudem, dass die Ergebnisse auf jeden Fall ein Denkanstoß sein sollen, auch für Mediziner. Ob gut eingestellte Patienten jetzt ihr Medikament wechseln sollten, hängt vom Einzelfall ab.

Einen neuen Patienten heute auf Digitalis einzustellen, ist heute nicht mehr sinnvoll, das kann man mit Bestimmtheit sagen, so die Wissenschaftler. Der Wirkstoff kann außerdem sehr leicht überdosiert werden.

Matthias Thomgu Autor

Hallo, ich bin Matthias Thomgu und bin hier für das Thema Krankenversicherung und Forschung zuständig. Bei Fragen zu meinen Artikeln dürfen sie mir gern eine Mail schreiben, welche ich so schnell wie möglich beantworten werde.

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