AOK Pflegereport 2017: Heimbewohner bekommen zu oft Psychopharmaka

A

Die Krankenkasse AOK hat in dieser Woche ihren Pflegereport 2017 veröffentlicht und ist zu dem Schluss gekommen, dass pflegebedürftige Heimbewohner zu viele Psychopharmaka bekommen, besonders Demenzkranke sind betroffen, zudem fehlt es an Personal.

Viele Menschen möchten im Alter auf keinen Fall in einem Pflegeheim landen, der Grund ist einleuchtend, früher wurden auffällige Heimbewohner fixiert, heute stellt man sie gern mit entsprechenden Medikamenten ruhig. Das kritisieren Patientenschützer und die gesetzliche Krankenkasse der AOK.

800.000 Pflegebedürftige in Heimen

Die Krankenkasse hat in ihrem aktuellen AOK- Pflegereport 2017 ermittelt, wie oft Heimbewohner Psychopharmaka bekommen. So bekommen Pflegebedürftige Antidepressiva gegen Schwermut, Neuroleptika gegen Unruhe, Ängste oder Wahnvorstellungen. In Deutschlands leben derzeitig etwa 800.000 Menschen in Pflegeheimen, ein Großteil von ihnen bekommt Psychopharmaka.

Besonders häufig bekommen Demenzkranke diese Medikamente verschrieben, immerhin 500.00 leben von ihnen in Heimen, so die Krankenkasse in ihrem aktuellen Bericht. Laut dem Bericht erhalten gut 40 Prozent der Bewohner mit Demenz mindestens ein Neuroleptikum. Bei Bewohnern ohne Demenz sind es gut halb so viele. Zudem erhalten 30 Prozent der Heimbewohner ein Antidepressivum.

Verstoß gegen Leitlinien

Neuroleptika wurden eigentlich dazu entwickelt, um krankhafte Wahnvorstellungen zu behandeln. Nur ein verschwindend geringer Anteil sind auch dafür zugelassen, Menschen mit Demenz und Wahnvorstellungen zu behandeln. Als Nebenwirkungen könnten Stürze, Schlaganfälle oder Thrombosen auftreten.

Heime die auf Dauer auf diese Medikamente bei Demenzkranke zurückgreifen verstoßen zudem gegen die Leitlinien, so eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums. Für den aktuellen Report wurden zudem auch 2500 Pflegekräfte befragt, ihre Aussagen decken sich mit dem Report der Krankenkasse.

Pflegepersonal selten Schuld

Viele Pflegekräfte bestätigten, dass im Durchschnitt mehr als die Hälfte der Heimbewohner Psychopharmaka bekommen. Zwei Drittel der Betroffenen erhalten diese Medikamente schon länger als ein Jahr. Über 80 Prozent der Pflegekräfte hält dies für angemessen. Nach Ansicht der Krankenkasse AOK sind die Pflegekräfte am wenigsten für die Tendenz der Übermedikation der Pflegebewohner verantwortlich.

In erster Linie ist die Schuld bei den behandelnden Ärzten und den Pflegeheimbetreibern zu suchen. Ärzte seien dann in der Pflicht, diese Medikamente nur dann einzusetzen, wenn es wirklich nicht anders geht und dann auch nur so kurz wie möglich. Statt die Bewohner mit Medikamenten ruhig zu stellen brauchen wir Ergotherapie, körperliche Aktivität und individuelle Beschäftigung, fordern Patientenschützer.

Freude und Trauer werden unterdrück

Fixierungen lehnen fast alle Pflegekräfte in der heutigen Zeit ab, nun übernehmen Psychopharmaka die Rolle den Bewohner ruhig zu stellen. Deswegen haben Ärzte und Mitarbeiter aber kein Schuldbewusstsein. So sei dies Freiheitsberaubung. Gleichzeitig wird das Empfingen von Freude und Trauer unterdrückt, so Patientenschützer.

Der deutsche Pflegerat bemängelt zudem den Mangel an Personal. Wenn es zu wenige Mitarbeiter in einem Heim gibt, steigt die Gefahr das Bewohner fixiert oder ruhiggestellt werden. Dies ist ethisch und moralisch allerdings nicht vertretbar. Wer menschenwürdig pflegen will, braucht gutes und motiviertes Personal in ausreichender Anzahl. Somit könnte die eine oder andere Pille überflüssig werden.

Über den Autor

Frank Müller

Hallo mein Name ist Frank Müller und ich bin der Chefredakteur von blogbold.de

Schreiben sie einen Kommentar

Beliebte News