AOK Krankenhaus-Report 2015: Wildwuchs bei Kliniken gefährdet Patienten

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Krankheiten gibt es viele, doch Menschen die an Krebs leiden haben die höchste Wahrscheinlichkeit an eine Klinik mit hohen Standards zu geraten. Bei vielen weiteren Krankheiten ist die Wahrscheinlichkeit höher, an ein vergleichsweise schlechteres Krankenhaus zu geraten, das erklärte jetzt die Krankenkasse AOK.

Große Qualitätsunterschiede bei den deutschen Kliniken und Wildwuchs bei spezialisierten Behandlungszentren verhindern nach aktuellen Angaben der gesetzlichen Krankenkasse AOK eine flächendeckend gute Versorgung der Patienten.

Bund und Länder müssten bei ihrer Reform der Krankenhäuser ganz besonders den Weg für die Einrichtung vieler weiterer dieser Zentren ebnen – aber anders als in der heutigen Zeit mit klaren Qualitätsstandards, fordert Uwe Deh, Vorstand des AOK-Bundesverbandes, bei der Vorstellung des „Krankenhaus-Report 2015“ am Freitag der laufenden Woche in der Bundeshauptstadt Berlin.

Nicht genügend Erfahrung

Die anstehende Reform sollte nicht nur eine große Finanzspritze für Kliniken und Krankenhäuser sein, erklärt Deh in einem Interview weiter. In der heutigen Zeit stünden Patienten, aber auch Gesundheits-Fachleute vor dem entscheidenden Problem, die existierenden „Perlen“ unter den Krankenhäusern zu finden, erklärte der Experte des Wissenschaftlichen Instituts der AOK, Jörg Friedrich in einem aktuellen Gespräch.

Viele sogenannte spezialisierte Kliniken seien dies nur laut Türschild, aber nicht wirklich, kritisierte Deh in dem Gespräch vom Freitag weiter. Der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem erklärte in einem Interview: „Die Krankenhauslandschaft würde heute am grünen Tisch niemand so designen“.

Über 1000 Krebs- Zentren

Laut dem Experten Deh gab es aber in der Vergangenheit auch deutliche Fortschritte: „Trotz der fehlenden Orientierung aus der Gesundheitspolitik hat der Strukturwandel funktioniert“, so der Chef des Vorstands weiter. Bestehende Krebs-Kliniken mit aussagekräftigen Zertifikaten der Deutschen Krebsgesellschaft hätten die Behandlungsergebnisse der Patienten in der Vergangenheit dutlich verbessert.

„Es gibt entweder Krankenhäuser, die brauchen wir dringend, oder welche, die können wir schließen – dazwischen gibt’s eigentlich nichts“, so Wasem in seinen Ausführungen. Simone Wesselmann, ihres Zeichens Bereichsleiterin Zertifizierung der Krebsgesellschaft, erklärte in einem Gespräch, es gibt in der heutigen Zeit 1010 Zentren an Kliniken, in denen Tumorpatienten erwiesenermaßen besser behandelt werden könnten als in anderen Krankenhäusern.

Zentren mit mehreren Fachdisziplinen bilden

Wenn eine Abteilung oder Krankenhaus kein solches Zertifikat nachweisen kann, dann sei in vielen Fällen der Grund, dass sie Mindeststandards nicht erfüllt werden. So müssten die Kliniken bei Brustkrebs die Erfahrung von mindestens 100 Fällen pro Jahr nachgewiesen werden, bei Lungenkrebs gelte die Schwelle von mindestens 200 Fällen.

Sinnvoll sei aus diesem Grund die Bildung von Zentren bei allen Therapien, wo mehrere Fachdisziplinen gebraucht würden, etwa auch bei Diabetes, heißt es zum Abschluss.

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